Kapern
Über die Kaper als solche liesse sich natürlich einiges sagen. So wird etwa der Fundamentalist jede eingelegte Kaper betrauern, und er wird diese Foto als Mahnmal gegen die Gefrässigkeit unbedachter Zeitgenossen verwenden, die mit beispielloser Gleichgültigkeit unschuldige Knöspchen an ihrer Selbstentfaltung hindern (s.a. Proust, “Im Schatten junger Mädchenblüte”). Und wem das Perverse am Umstand, dass die Knöspchen je kleiner, desto teurer gehandelt werden, nicht geradezu ins Auge springt, dem sei Rundumüberwachung ratzifiziert.
Wenn dadurch die Unsitte verschwände, Kapern an den unmöglichsten Orten der Kalten Küche als Dekor zu verwenden, würde sich der Pragmatiker in mir freuen. Und nein, die gehören auch nicht auf einen Vitello tonnato! Womöglich, ja, unweigerlich zusammen mit Spuren der unsäglich vulgären Lake, in der die Dinger meist eingelegt werden.
Klar, bei Königsberger Klopsen, die ja per definitionem — wie übrigens auch das Pojarskij-Steak — aus Kalbfleisch zu bestehen haben, sind Kapern angesagt. Abgetropft und trockengetupft. Und geschüttelt, nicht gerührt. Aber braucht die Welt tatsächlich Rezepte für “Kartoffelsalat mit Kapern”, sollte man ernsthaft einen “Pinien-Kapern-Pesto” in die Menügestaltung einbeziehen?
Alternative: Foto 1000×1000
One Response to “Kapern”
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Yo, und sollte jemand jemals in Deutschland an eine Kapernpflanze im Gartengeschäft vorbei kommen: bitte an mich denken! Ich suche die schon sehr lange. Stecklinge ziehen hat nie gut geklappt (Kapernpflanzen haben nämlich wirklich so grandiose Blüten!). Sieht man nur selten, weil sie vorher schon geerntet wurden.
18 Feb 2008 at 11:16 am